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Kritiken


Abendzeitung

Zur Premiere von
"A MAL GAME"
im i-camp/Neues Theater München am 12.02.2010

München, 16.02.2010

Cie Elle P Danse brillieren

Das Tanzduo "Cie Elle P Danse" befasst sich nach eigener Aussage in seiner neuen Choreografie „A mal game“ mit „dem Dualismus von Körper zu Geist und dem Verhältnis von Materie zu Nicht-Materie“. Wie bitte stellt man Nicht-Materie auf der Bühne dar?

Man darf die Erklärungen von Tänzern zu ihren Werken nicht so ernst nehmen. Das Tanzduo "Cie Elle P Danse" befasst sich nach eigener Aussage in seiner neuen Choreografie „A mal game“ mit „dem Dualismus von Körper zu Geist und dem Verhältnis von Materie zu Nicht-Materie“. Wie bitte stellt man Nicht-Materie auf der Bühne dar? Aber geschenkt: Bei so intensiven Tänzern wie Panja Fladerer und Luc Richard muss man unvoreingenommen hingucken, denn ihre Energien und ihr Können amalgamisieren sich zu einem spannenden 50-MInuten-Stück.
Der Jubel bei der Uraufführung im i-camp bewies, wie sehr die Münchner das Paar lieben, das hier zwei Jahre die Szene bereichert hat und jetzt in der Schweiz lebt. Es dauert, bis sich aus einem ersten Blickkontakt der Tänzer ein Pas de deux entwickelt. Panja Fladerer tanzt exaltiert und sexy zu lateinamerikanischen Schlagern, treibt ihre Geschmeidigkeit bis ins Groteske. Luc Richard beäugt sie, ertastet vorsichtig den eigenen Körper, ehe er die Annäherung wagt.

Dann entspinnt sich das alte Spiel der Balz zwischen Anziehung und Zurückstoßen, Neugier und Stolz, Verführung und Abwehr, Umwerben und Kampf. Wenn Richard sie elegant auf Rollerskates umkurvt und Fladerer ihm auf ihrem Badehandtuch immer wieder ein Bein festhält, ist das von ironischer Komik.
Einen Bruch setzt die Musik von Wim Sebo mit Flugzeuggeräuschen, die sich zu einem Tiefflug-Geschwader verdichten - man denkt an Krieg und Bomben. Die Tänzer tragen jetzt grau statt bordeauxrot, aber die Erotik gewinnt dennoch wieder die Oberhand. Und in den dynamischen Pas de deux brillieren die beiden mit fantasievollen Einfällen und virtuoser Bewegungssprache.

Gabriella Lorenz

Tanznetz

Zur Premiere von
"A MAL GAME"
im i-camp/Neues Theater München am 12.02.2010

München, 16.02.2010

Schonungslos brutal und bestechend poetisch

Das deutsch-schweizerische Duo “Cie Elle P Danse” mit “A Mal Game” im I-Camp

Sanft umfahren die warmen Strahlen des Scheinwerferlichts die Konturen der Tänzerin. Panja Fladerer, ganz Hingabe an den Moment, bewegt sich lustvoll und aufreizend zu den dynamischen Rhythmen der lateinamerikanischen Musik. Immer wieder lässt sie die Hände über den sinnlichen Körper gleiten. Lasziv schwingend und barfüssig im Takt sich wiegend, umfährt sie ihre Konturen - das Kleid tief ausgeschnitten, eine Blume im Haar. Längst hat sie die bewundernden Blicke zweier Augen bemerkt, die mit wachsender Faszination ihr folgen und jeder ihrer Bewegungen bewundernd nachspüren. Gebannt von ihrer flirrend koketten Erscheinung, zieht es den Tänzer Luc Richard unmittelbar in das Geschehen hinein. Ein aufreizend fordernder Blick von ihr, und es ist um ihn geschehen: Mit kraftvoll dynamischen Bewegungen und vollem Körpereinsatz beginnt er die Tänzerin zu umwerben, brilliert als entzückend narzisstischer Virtuose auf Rollerskates oder lässt als charmanter Zauberkünstler seine Partnerin unter einem Tuch verschwinden. Einzelne Tanzsequenzen, in denen mal Richard, mal Fladerer in monologischer Manier zu bestechen vermag, steigern sich zu einem schweißtreibend körperbetonten und eindringlich getanzten Duett. “Other dancers may be on the floor dear, but my eyes will see only you”, dringt es aus den Lautsprechern, während Mann und Frau sich mehr und mehr in ihren amüsanten Flirt verstricken und tatsächlich weder zu sehen noch zu hören scheinen, wie sich im Hintergrund mit leisen Schritten bereits das nahende Unheil ankündigt. Immer wieder kehrende, subtil konstruierte Disharmonien in der musikalischen Komposition (Wim Sebo) durchsetzen die sorglos heitere Atmosphäre mit Momenten der Irritation und Verstörung, bis das Stimmungsbild schließlich kippt und das unbeschwerte Spiel zum bitteren Ernst verkommt.

Mit den letzten Klängen der Musik bricht Endzeitstimmung in das Geschehen ein. Blitz und Donner stören das Paar auf. Blankes Entsetzen treibt sie auseinander: Von panischen Ängsten getrieben, stolpern und fallen sie, winden sich am Boden, kämpfen ums nackte Überleben. Schonungslos brutal sind diese Bilder zwar, aber auch bestechend eindrucksvoll, da die choreografische Übertragung des Sujets beide Tänzer in all ihrer Körperlichkeit fordert und von den Akteuren gleichsam enorme Präsenz verlangt - ein Anspruch, den sowohl Panja Fladerer als auch Luc Richard mit spielerischer Leichtigkeit gerecht werden. Nach einem raschen Kostümwechsel auf offener Bühne folgt der zweite, poetischere Teil des Abends, in dem die narrativen Tendenzen und der illustrative Charakter der Choreografie zu Gunsten einer abstrakteren Darstellungsform aufgegeben werden. In fahles Scheinwerferlicht getaucht, scheinen die Körper hier seltsam introvertiert und apathisch; die Bewegungen sind kraftlos und fragil, der Raum, vormals in der Choreografie kaum spür - und wahrnehmbar, wird plötzlich zu einem mächtigen Gegenspieler, der schwer auf den Körpern lastet und sich in ihre Bewegungen einschreibt. Auch hier, in den ruhigeren Momenten, in denen der Tanz in seiner wohl reinsten Form zur Darstellung gebracht wird, kann die Cie Elle P Danse überzeugen: Die poetischen Passagen lassen “A Mal Game” behutsam ausklingen, und geben dem Publikum Zeit und Raum, das Gesehene zu reflektieren.

Antje Bissinger

Süddeutsche Zeitung
Kultur
vom 10./11.11.2007

Zur Premiere von
"Melting Thoughts"
am 7.11.2007 im i-camp /
Neues Theater München

Süddeutsche Zeitung
Kultur
vom 22.1.2007

Premiere von "Butt her fly"
am 18.1.2007 im i-camp /
Neues Theater München

AZ
vom 20./21.1.2007

Premiere von "Butt her fly"
am 21.1.2007 im i-camp /
Neues Theater München

Süddeutsche Zeitung
vom 6.7.2005

Aufführung von Méli-Mélo
am 1.7.2005 im i-camp /
Neues Theater München

Ruhrnachrichten
vom 15.7.2005

Aufführung von Méli-Mélo
am 14.7.2005 bei der
Sommertanzwoche Dortmund

24 Heures
07.2004

Aufführung von Chrysaline
und "Albert & Panja"
Festival de la Cité,
Lausanne

Magazin Treffpunkt Rotebühlplatz
2002

Aufführung von "Enola"
beim Solotanz-Festival
Stuttgart 2002

Poetische Kraft » bescheinigte die Jury Panja Fladerer, die mit "Enola", einer Theatrallisch-eigenwilliger. Hommage an Ihren Vater, durch ein Meer von verwelkten Blättern den Weg der Erinnerung suchte. Damit ging der zweite Choreografie-Platz (2500 Euro) an die Deutsche, deren einfaches, aber doch wirkungsstarkes Bühnenbild einige Helfer mit Besen bewaffnet aus den Kulissen zwang.

Bettina Breuer (Treffpunkt Rotebühlplatz)